Shaun das Schaf – ein mitfühlender Anarchist

In der vergangenen Woche hat Jana Simon im ZEIT-Magazin ihre dreijährige Tochter Nora über Shaun das Schaf befragt. Das war sehr niedlich und nett – geht für mich aber am Kern vorbei und wird auch nicht der Großartigkeit von Shaun gerecht. Eine Ergänzung. Achja, ich würde hier gerne ein Foto von Shaun zeigen, bin mir aber über die rechtliche Lage im Unklaren. Deshalb statt dessen dieser Link: www.shaundasschaf.de

Shaun das Schaf lebt auf einem Bauernhof, irgendwo in der Idylle eines namenlosen Landstrichs. Er ist der Held kleiner Geschichten, die sonntags in der “Sendung mit der Maus” gezeigt werden. Weil das eine Kindersendung ist und Shaun ein flauschiges Schaf, könnte man vielleicht meinen, dass es sich dabei um reine Kinderbelustigung handelt. Das aber wäre zu kurz gegriffen. Shaun das Schaf funktioniert auch als Unterhaltung für Kinder, aber ähnlich wie die Simpsons ist er mehr als das:

Shaun ist ein mitfühlender Anarchist.

Das ist eine gewagte These. Schaut man sich aber die einzelnen Figuren an, wird klar, dass sich in ihnen verschiedene Gesellschaftsschichten spiegeln: Da wäre zunächst der Bauer. Er steht für das Establishment, für die Bewahrung der gegebenen Ordnung. Der Bauer verfügt über die Machtmittel: Auto (Mobilität), Fernseher und Radio (Information) und Gewehr (Gewalt). Er hat einen Hund, den er zur Durchsetzung seines Willens einsetzt, etwa gegen die Schafe. Für ihn ist die Schafherde nichts anderes als eine gesichts- und gehirnlose Masse, Woll-Lieferanten, Viehzeug eben.

Der erwähnte Hund befindet sich in fast jeder Episode in einem Loyalitäts-Konflikt. Einerseits will er seinem Herrn treu dienen und wie ein zuverlässiger Soldat dessen Befehle ausführen – andererseits lässt er sich immer wieder von Shaun dazu hinreißen, gemeinsame Sache mit den Schafen zu machen, sich mit ihnen zu solidarisieren.

Wie schafft Shaun das? Eigentlich soll der Hund die Schafe ja überwachen und dafür sorgen, dass sie sich in ihre vorgesehene Rolle fügen: Dumm auf der Wiese stehen und Grashalme kauen. Shaun gelingt es aber immer wieder durch seine Kreativität, seinen Erfindungsreichtum und seinen Witz, den Hund von dieser Aufgabe abzulenken. Oder vielleicht besser gesagt: dessen Neugier zu wecken und ihn zu begeistern. Der Unterdrückte lehnt sich also nicht gegen den Unterdrücker auf, er spricht statt dessen das Beste in ihm an und schafft es so, ihn auf die Seite der Unterdrückten zu ziehen.

Shaun nutzt die daraus entstehenden Freiheiten aber nicht für sich alleine. Oft muss er als Klügster der Herde die anderen Schafe aus der Klemme befreien (und braucht dafür die Hilfe des Hundes). Fast immer geht es dabei aber darum, dass die Schafe nicht einfach Schafe sein wollen, zumindest will Shaun das nicht einfach hinnehmen. Er wehrt sich gewitzt gegen die bestehenden Verhältnisse und überschreitet (Standes-)Grenzen. Das zeigt sich vor allem auch daran, dass der Bauer trotz seiner Machtfülle am Ende sehr oft als tumber Depp da steht.

Wikipedia sagt, dass der Anarchismus jede Art der Hierarchie als Form der Unterdrückung von individueller und kollektiver Freiheit ablehnt. Deshalb ist Shaun das Schaf ein Anarchist. Mitfühlend ist er, weil er Verständnis für die Not seiner Mit-Schafe hat und versucht, diese zu lindern.

Wer hätte gedacht, dass wir in einer Kindersendung so viel über Gerechtigkeit, Freiheitsliebe und Solidarität lernen können – von einem Plüschschaf.

Shaun das Schaf tritt in der “Sendung mit der Maus” auf, ARD, sonntags, 11.30 Uhr.

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Ein Eis für die Ewigkeit

Foto: Anette B.

 

Der Mann, der Dessertgeschichte geschrieben hat, steht in der Küche seiner Mannheimer Eismanufaktur und schlürft Sud aus einer Schöpfkelle. Einer seiner Gelatieri hat zuvor Birnen und frische Minzblätter in Zuckerwasser püriert, gleich wird der Mix in eine der großen Eismaschinen gefüllt, die surrend bei konstant minus 21 Grad kalte Köstlichkeiten fabrizieren.

Links fällt in breiten, cremigen Streifen Feige-Karamell in eine Schüssel, daneben Vanilleeis, rechts Schoko-Rum. “Wissen Sie”, sagt Dario Fontanella, “beim Eis ist es wie in einem Gourmetrestaurant – wenn die Zutaten stimmen, stimmt auch das Ergebnis.” Das Ergebnis hat bei Fontanella eigentlich immer gestimmt. Nur einmal, da lief die Sache nicht ganz so, wie sie hätte laufen sollen. Das war, als er das Spaghetti-Eis erfand.

Fontanella ist so etwas wie Deutschlands erster und vielleicht auch unkonventionellster Gelatiere. Wo andere Eishersteller eifersüchtig über ihre Rezepte wachen, legt der 59-Jährige den gesamten Produktionsprozess in der gläsernen Küche seines Eiscafés offen und gibt Auskunft über seine Zutaten. Die sind in der Regel ein wenig ausgefallener als Vanille oder Pistazie: Für den 1. FC Kaiserslautern, für die “Roten Teufel”, hat er zwei Eissorten mit Peperoncino entwickelt, “wegen der teuflischen Schärfe”.

Schokoladeneis gibt es kombiniert mit Rosmarin, Brandy oder glasierten Zwiebeln; alternativ aromatisiert er die Schokomasse auch mit Rosengeranie. Seine Kreationen stehen in der Galeria Kaufhof München im Eisfach, demnächst soll es eine Zusammenarbeit mit einem großen deutschen Obsthof geben: Fontanellas Manufaktur wird dann Äpfel, Birnen und Erdbeeren aus der Region verarbeiten und Bauernläden beliefern. Irgendwie geht halt immer irgendwas. Sein Vater Mario Fontanella war einer der ersten Gelatieri, die Anfang der 30er-Jahre in den Norden zogen, um die Deutschen italienische Eiskultur zu lehren. Der Sohn führt dieses Erbe fort.

Es ist wohl auch diese geschäftsmäßige Umtriebigkeit der beiden, die Ende der 60er-Jahre das Spaghetti-Eis entstehen ließ. “Damals fuhr ich Skirennen und war oft in verschiedenen Hotels in den Bergen unterwegs”, sagt Fontanella, der auch heute noch sportlich-schlank ist, das Marathonlaufen verbrennt die kühlen Kalorien. In einem Schweizer Hotel setzte man ihm einen Dessertklassiker vor: Mont Blanc. Pürierte Maronen mit Schlagsahne, gekrönt von einem Sahnehäubchen. Nicht nur eine Kalorienbombe, sondern meist auch schwer und kompakt. Doch diese Variante war so luftig, dass die Neugier des jungen Gelatiere geweckt war. “Ich fragte die Wirtin, und sie verriet mir, dass sie die Maronenmasse durch eine Spätzlepresse gedrückt hatte.”

Eine Spätzlepresse. Die Idee ging dem damals 17-Jährigen nicht mehr aus dem Kopf. Ob sich so auch Eis in eine federleichte Form bringen ließe? “Ich habe die Presse gründlich mit heißem Wasser ausgewaschen und Zitroneneis durchgedrückt – heraus kam nur Matsch”, erinnert sich Fontanella. Erst nach einigen weiteren Versuchen bemerkte er, dass das Gerät vielleicht besser kalt sein sollte. Erdbeer, Zitrone, Pistazie, das waren die drei Sorten, die als Erstes aus der heruntergekühlten Presse fielen. “Rot, Weiß, Grün, die Farben der Trikolore sollten es sein”, sagt Fontanella, der zwar in Mannheim geboren wurde, aber mit dem Herzen Italiener ist.

Seinem Vater fiel dann auf, dass das Eis wie Spaghetti aussah, und schlug vor, es mit Vanilleeis zu probieren. Das Erdbeerpüree, das gerade angerührt wurde, kam als Tomatensauce obendrauf, Kokosflocken imitierten den Parmesan. Es war der 7. März 1969, als Dario Fontanella und sein Vater in die Nachtischhistorie eingingen.

Es war die Zeit von Toast Hawaii, Mettigel und Götterspeise. Alles, was exotisch, bunt oder lustig aussah, kam gut an, das galt auch für die neue Kreation der Gelateria Fontanella. “Einige Kinder haben zwar anfangs geweint, wenn ihnen die Eltern Spaghetti-Eis bestellt haben – schließlich wollten die Eis und keine Nudeln”, sagt Fontanella. Aber ihm dämmerte trotzdem bald, dass er vielleicht mehr kreiert hatte als nur einen originellen Eisbecher.

Das Spaghetti-Eis trat seinen Siegeszug um die Welt an, finanziell aber hat sich Fonatellas Idee nie für ihn ausgezahlt. Wegen 900 D-Mark. An dieser Summe scheiterte das Patent für den künftigen Desertklassiker. “Das war damals eine Stange Geld, und der befreundete Anwalt, den ich gefragt habe, sagte: Was willst du denn daran patentieren lassen, kann doch jeder Eis in Nudelform servieren?” Was der Jurist vergaß: Zumindest den Namen hätte sich Fontanella schützen lassen können. Da war sie, diese Einmal-im-Leben-Chance – und vorbei. “Ach, meine Frau sagt immer: Weißt du, wozu das gut ist? Vielleicht hätte sich mein Einfall gar nicht so rasant verbreitet, wenn eine Gebühr dafür fällig gewesen wäre”, sagt Fontanella. Es klingt versöhnt.

Ihm bleibt der Ruhm, immerhin. Deshalb wohl macht der Mannheimer Gelatiere einen kleinen, stolzen Unterschied zu den Abertausenden von Eisdielen, die “sein” Spaghetti-Eis servieren: Bei Fontanella heißt der Nachtisch “Spaghetti-Eis 1969″ – und eine Fußnote in der Karte weist darauf hin, wer als Erster darauf kam, Vanilleeis durch eine kalte Spätzlepresse zu drücken.

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Drei Muscheln von Juan

Strand von Donana

Foto: Janko Zehe

“Nein, da hätten Sie eine Tour buchen müssen.” Der spanische Ranger macht unsere Besichtigungspläne zunichte, kaum dass sie begonnen haben. Wir stehen im Parque Nacional de Doñana, Dutzende Mücken saugen hingebungsvoll von unserem Blut, der Wind rauscht in den Kiefern. Vor uns liegen die Weiten des Nationalparks, der berühmt ist für seine Reiher und Löffler, die hier zu Tausenden nisten. Adler und Milan wohnen dort, Luchse streifen durchs Unterholz – aber wir dürfen nicht rein. “Nur bei Voranmeldung”, macht der Ranger in einer Mischung aus Spanisch, Englisch, Händen und Füßen deutlich und nennt eine Adresse in Sanlúcar, das wir vor 20 Minuten mit der Fähre verlassen haben. Okay, also kein Parque Nacional. Mierda!

Für den Strand aber muss man sich nicht anmelden. Kilometerlang erstreckt er sich am Rand der Dünen, die Zentimeter für Zentimeter die Schirmkiefern unter sich begraben und das Schutzgebiet zur Meerseite abgrenzen. Anders als an den Badestränden von Conil, Cádiz oder Chiclana ist es hier weniger “ordentlich”: Die Muscheln, die der Atlantik angespült hat, werden nicht sofort entfernt; man findet Austern, deren Schale rötlich oder grünlich schillert, kleine Muscheln, in denen Perlmutt in strahlendem Violett leuchtet, gewundene Exemplare, von Teer schwarz gefärbt.

Reifenspuren im Sand erinnern daran, dass die Fähre nicht nur uns herübergebracht hat und ab und an hat das Meer eine Plastikflasche hinterlassen. Trotzdem erscheint dieser Ort ganz abgeschieden. Man muss nur hinüberschauen, um Sanlúcar gut sichtbar auf der anderen Seite der Bucht liegen zu sehen – und dennoch wirkt die Zivilisation hier sehr weit weg. Liegt es an der Weite, die sich vor uns ausbreitet? Der Himmel, über den heute die Wolken ziehen, wirkt ebenso endlos wie der blassgelbe Sand. Keine Sonnenschirme. Keine Spaziergänger. Keine Kite-Surfer. Keine Menschenseele.

Fast ist es also überraschend, als plötzlich am Horizont ein Punkt auftaucht, der sich langsam in unsere Richtung bewegt. Als das Gegenlicht einen Umriss freigibt, erkennen wir einen Wanderer: Schmal, bepackt mit einem Trekking-Rucksack, von dem weitere Taschen baumeln. Als aus dem Umriss ein Mensch wird, sieht man zerzauste Haare, ein Gesicht, zerfurcht von Sonne, Wind und Leben, einen fleckigen Pullover, schmuddelige Shorts. Niemand, dem man mehr als ein hola widmen möchte. Weil der Mann zu gut in die Schublade mit den Menschen passt, die vor dem Aldi hocken, umringt von ihrem Besitz in Plastiktüten. Nicken. Wegschauen. Weitergehen. Er passt nicht in diese Weite, zu diesem Urlaubsnachmittag, stört die Illusion von Abgeschiedenheit.

Aber der Mann bleibt stehen. Fragt nach der Fähre und was sie kostet. Verzieht das Gesicht, als wir ihm den Preis nennen. Es geht also um Geld, natürlich. Nur eine kleine Spende.

Dann aber erzählt er seine Geschichte. Ringt uns Aufmerksamkeit ab. Erst hören wir widerwillig zu, dann immer interessierter. Juan ist Portugiese. Und ein Wanderer. Ein Wanderer, unterwegs in Glaubensdingen. Vor vier Jahren ist er bei Bauarbeiten vom Dach gestürzt. Das Knie, die Rippen, der linke Kiefer: zerschmettert. Er habe, erzählt Juan, im Krankenhaus gelegen und sich geschworen zu Pilgern, sollte er je wieder laufen können. Dann nimmt er seine Manschette vom Bein und zeigt das verletzte, von Narben gezeichnete Knie. “Die Ärzte haben ein künstliches Gelenk eingebaut – und jetzt kann ich Pilgern”, sagt er und strahlt. Er war im Vatikan und hat eine Urkunde mit der Unterschrift des Papstes bekommen, die er uns zeigt. So, als müsse er belegen, dass er kein gewöhnlicher Landstreicher ist, kein Penner. Sondern ein Mann mit einer Mission. Er ist schon in Santiago de Compostella gewesen, in Sevilla. Hat an Stränden geschlafen, Muscheln gesammelt und roh gegessen. Die Aufzählung der weiteren Stationen scheitert an der Sprachbarriere, obwohl Juan eine wilde Mischung aus Spanisch und Französisch und wir die Reste unseres Schulfranzösisch bemühen. Aber das Wichtige verstehen wir trotzdem. Er malt ein Datum in den Sand: 16.11.2011. Dann endet seine Pilgerreise und dann hofft er, geheilt zu sein. Oder geht es am Ende gar nicht um Heilung? Sondern um die Hoffnung selbst?

Wir geben ihm Geld für die Fähre und noch etwas für Essen. Juan lacht und freut sich und hält die Hände gen Himmel. Vielleicht sind wir für ihn so etwas wie ein kleines Wunder. Seltsamer Gedanke. Er bittet uns, unsere Namen aufzuschreiben und zeigt auf die Liste, die schon auf dem Zettel steht. “Friends”, sagt Juan und lächelt. Er werde für uns beten. Als wir uns schon verabschiedet haben und weitergegangen sind, ruft er hinter uns her. Er habe noch etwas vergessen. Dann kramt er in seiner Tasche und zieht drei Muscheln heraus. “Pour vous”.

 

 

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Mein zweites Mal: Bundesjugendspiele

Foto: Maximilian Schönherr

Ich bin mir sicher, dass es Top-Manager gibt, hochbezahlte Führungskräfte, denen das Wort „Bundesjugendspiele“ die Tränen in die Augen treibt. Dann wird aus Bankvorstand Dr. Schmitges nämlich ganz schnell wieder der kleine Karl-Günther, der in jenem Sommer 1978 unter dem Gelächter seiner Klassenkameraden an der Sprunggrube jämmerlich versagte, die Kugel auf erbärmliche 2,40 Meter stieß und mit hochrotem Kopf die 100 Meter mehr stolperte als sprintete.

Ich kann Karl-Günthers Trauma gut nachvollziehen, es ist das meine. Heute würde ich mich als sportlich bezeichnen. Kaum ein Tag, an dem es mich nach dem Rumsitzen im Büro nicht ins Fitness-Studio, auf den Tennisplatz oder an die Kletterwand treiben würde. Küchenpsychologen dürfen an dieser Stelle gerne anmerken, dass ich ja nur die Schmach von damals wettmachen will – sie haben Recht.

Ich habe viele Jahre versucht, dem Thema mit Selbstironie zu begegnen. Wann immer im Freundeskreis das Gespräch auf dieses Sportfest der Jugend kam, habe ich in vorauseilender Eigendemontage gesagt: „Ja ja, die Bundesjugendspiele. Ich hab ja nicht mal einen Blumentopf gewonnen.“ Doch jedes Mal zückte ein kleiner Teufel seinen Dreizack und piekte in mein Ego.

Wenigstens stehe ich mit meinem Unbehagen nicht alleine da. Schon in den 70ern gab es Kritik am Laufen, Werfen, Springen: Der Wettbewerbsgedanke stehe viel zu sehr im Vordergrund, bemängelten junge Sportlehrer, vom Geist antiautoritärer Erziehung beseelt. Manche warfen dem sportlichen Kräftemessen gar vor, zu sehr auf seinen Vorläufern zu gründen, den Reichsjugendspielen und dem „Reichssportwettkampf der Hitlerjugend“.

Tatsächlich hatte sich Ende der 80er, als ich am Kampf um Sieger- und Ehrenurkunde teilnehmen musste, im Vergleich zur nationalsozialistischen Leistungsschau nichts grundsätzlich verändert. Klar, wir liefen nicht mehr zur Ehre des Führers und die Urkunden wurden vom Bundespräsidenten unterschrieben. Aber irgendwie steckte in der Veranstaltung noch immer ein Hauch von Kruppstahl, Leder und Windhunden.

Wohl hatten freundliche Reformpädagogen inzwischen alternative Sportfeste entworfen, heitere Feiern des Bewegungsdrangs, bei denen Frisbee-Scheiben durch Gymnastikreifen geworfen wurden, Gruppenbaumklettern und Kokosnuss-Pflücken auf der Agenda standen. Doch derlei modischer Schnickschnack wurde vielleicht an Gesamtschulen praktiziert – ganz sicher aber nicht an meinem katholischen Privatgymnasium im nördlichen Münsterland.

So keuchte, schwitzte und rackerte ich einige Sommer, um am Ende mit dem immer gleichen Ergebnis dazustehen: Urkunde? Fehlanzeige.

Wie oben bereits erwähnt: Ich bin heute kein Schreibtischhengst und keine Couch-Kartoffel. Und so kam mir, als ich mal wieder auf einer Party meine kleine Leidensgeschichte zum Besten gab, plötzlich der Gedanke: Nimm doch einfach noch mal teil! Heute, so verstärkte sich die Gewissheit in mir, würde ich gewiss mit dem Lorbeer des Siegers nach Hause gehen, zumindest aber mit einer Siegerurkunde. Die könnte ich mir dann gerahmt übers Bett hängen – und endlich, endlich, die Schande wäre getilgt.

Es scheint, was die Bundesjugendspiele angeht, ein seltsames Missverhältnis zu geben. Einerseits sagen selbst diejenigen, die beurkundet heimgingen, dass sie die Veranstaltung gehasst haben; andererseits ergab eine Umfrage aus dem Jahr 2008, dass immer noch fast 80 Prozent der Schulen das Sportfest zumindest hin und wieder durchführen. Angebot und Nachfrage passen irgendwie nicht zusammen. Und doch halten die Lehranstalten eisern an dem traditionellen Konzept fest.

Auch an meiner Schule gibt es immer noch Bundesjugendspiele. Und als habe ein Hollywood-Regisseur ein Set für die sentimentale Heimkehr eines verlorenen Sohnes aufbauen lassen, sieht die Stätte meiner Niederlage auch 20 Jahre später noch genauso aus wie damals: Die Sprintstrecke aus plattgewalzter roter Asche, an deren Rand das Moos wächst; die 1000-Meter-Laufrunde, die in einer langen Geraden endet und von Vogelbeerbäumen gesäumt wird. Die Sprunggrube neben dem Geräteschuppen.

Die Umsetzung meines Plans war erstaunlich einfach. Zwar ist mein alter Sportlehrer inzwischen in Rente, dafür unterrichtet mein einstiger Mathe-Pauker Stefan Schulte die Oberstufenschüler, gegen die ich antreten werde. Das passt insofern ganz gut, als es zwischen Mathe und Sport in der Disziplin „größter Looser“ unentschieden steht.

Herr Schulte hatte mein Vorhaben zwar mit einem leicht süffisanten „Ach, der Markus! Willst es wohl noch mal wissen?“ kommentiert – mir aber sofort seine Klasse 13 zwecks Vergangenheitsbewältigung zur Verfügung gestellt.

18 Jahre. Wenigstens sind die Jungs und Mädels nur fast halb so alt wie ich, hatte ich nach dem Telefonat gedacht. Mir war aber auch klar, dass ich nicht ohne Übung gegen sie antreten sollte. Schließlich bin ich das letzte Mal in eine Sandkiste gesprungen, als Helmut Kohl noch in der Blüte seiner zweiten Amtszeit stand.

So finde ich mich vier Wochen vor dem großen Ereignis in der Leichtathletik-Halle der Sporthochschule Köln wieder. Mein Kletter-Kumpel Matthias ist hier Student und hat mich reingemogelt. Männer mit erstaunlich strammen Oberschenkeln hüpfen über Hochsprunglatten; Frauen mit langen, schlanken Beinen springen gazellengleich über Hürden. Augenblicklich fühle ich mich unsportlich, linkisch, steif.

Ein Gefühl, dass nicht völlig täuscht, denn nach einer Stunde Training ist klar: Sprinten ausbaufähig, Kugelstoßen mäßig, Weitsprung katastrophal. Mir dämmert, wieso ich seinerzeit stets urkundenlos geblieben bin. Matthias macht mir klar, dass es mir in sämtlichen Disziplinen an jedweder Technik mangelt und die kommenden Wochen nur aus einem bestehen werden: üben, üben, üben.

Ab da radele ich ein bis zwei Mal die Woche zur Sporthochschule und stoße und springe und sprinte. Tatsächlich verbessern sich meine Zeiten und Weiten.

Aber als ich an einem warmen, sonnigen Tag das Auto auf dem Parkplatz meines alten Gymnasiums abstelle und zur Sporthalle gehe, ist mir klar: Das wird eng. Viel enger, als ich erwartet hatte.

Die Klasse 13 beäugt mich in einer Mischung aus Interesse und Belustigung. Ein Mittdreißiger, der noch mal um eine Urkunde kämpft? Scheinen die amüsant zu finden. Ich stelle dagegen fest, dass ich nervös bin. Mein Herz klopft.

Als erstes geht es auf die Laufstrecke, 1000 Meter. Ich weiß inzwischen, dass es bei den Jungs drei Hobby-Kicker gibt, die erwartungsgemäß davonziehen. Aber Nummer vier schwächelt nach 300, 400 Metern und zur Hälfte hab ich ihn gepackt. Meine Muskeln schmerzen, die Lunge krampft, aber ich ziehe an und falle mehr ins Ziel als einzulaufen. 3’32! Das ist acht Sekunden unter der Norm für 18-Jährige und fast 40 unter der für mein Alter. Siegerurkunde, du bist mein.

Jetzt aber kriegt mein Traum die befürchteten Tiefschläge: Trotz Training fehlt beim Kugelstoßen ein halber Meter. Beim Weitsprung schaffe ich im letzten Versuch die Norm, allerdings nur die für meine Alterklasse, das ist zu wenig.

So stehe ich am Schluss im Startblock und es geht um alles. Der Regisseur meines Films scheint eine Vorliebe für dramatische Finals zu haben. Dummerweise läuft niemand außer mir die 100 Meter und so gibt es nur mich, die rote Asche und Stefan Schulte, der am Ende der Bahn mit Stoppuhr und Startklappe steht.

Ich würde jetzt gerne von einem Sportwunder erzählen. Wie ich verhalten lossprinte, aber dann über mich hinauswachse und wie ein Pfeil über die Strecke fliege. Aber ich spüre nur meine brennenden Oberschenkel, merke, wie nach 50, 60 Metern die Kraft nachlässt und ich verzweifelt die Ziellinie herbeisehne. 14,7 Sekunden. „Naja, vielleicht waren es auch 14,6“, sagt Herr Schulte freundlich.

Bevor ich die Mail mit seiner Berechnung meiner sportlichen Leistungen öffne, weiß ich eigentlich schon, dass es nicht gereicht hat. Die Zahl im Anhang bestätigt das, mir fehlen 118 Punkte zur Siegerurkunde.

Dirk Niebel wollte, als er noch FDP-Generalsekretär war, Beach-Volleyball und Inline-Skating bei den Bundesjugendspielen einführen. Der Mann ist mir sympathischer, als ich jemals gedacht habe.

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Brügges Belehrungen: Besser schreiben

Foto: drcornelius

Ich habe vergangene und diese Woche an der Evangelischen Medienakademie einen Kurs für Volontäre gegeben – im Kern ging´s darum, wie man Texte schreibt, die gerne gelesen werden. Sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Gestern etwa in der FAZ: Die Redaktion hat sich die Mühe gemacht, die Nachricht über fehlende Hochqualifizierte in Deutschland selbst zu schreiben, ich fand das Thema interessant, las und dachte: Oh Gott. Ohgottohgottohgott.

Ein Auszug: “Der Anteil der Hochqualifizierten an der Bevölkerung ist in Deutschland in den vergangenen fünf Jahrzehnten nur wenig gewachsen. Das geht aus der Studie “Bildung auf einen Blick” der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die am Dienstag in Berlin von Cornelia Quennet-Thielen, der Staatssekretärin im Bundesbildungsminsterium (BMBF), von Johanna Wanka (CDU), der niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur, sowie von Andreas Schleicher, dem Leiter der OECD-Abteilung Bildungsindikatoren und -analysen, vorgestellt wurde. (…) Auch gemessen am derzeitigen Anteil der Hochschulabsolventen in der relevanten Alterskohorte, der mit 29 Prozent deutlich unter dem OECD-Durchschnitt (39 Prozent) liegt, rangiert Deutschland an hinterer Stelle.”

Ja. So wie dieser Text an hinterer Stelle in Sachen Lesefreude rangiert.

Deshalb ein paar einfache Regeln, die dafür sorgen, dass ein Text beim Leser nicht sofort akute Narkolepsie (zu Deutsch: er pennt ein) auslöst.

  • Vermeide Fremdwörter! Gerade bemerkt? Ich schrieb “Narkolepsie” – was natürlich ungemein bedeutsam klingt, an dieser Stelle aber nichts anderes meint als: Schlafen. (Journalistische) Texte sind aber nicht dafür da, die Klugheit des Schreibers zu beweisen, sondern den Leser zu informieren und zu erfreuen. Liefert das Fremdwort also keinen Mehrwert gegenüber dem deutschen Begriff – wähle das Deutsche! Das hat nichts mit Sprach-Nazitum zu tun, es geht darum, möglichst wenig Leser auszuschließen. Und das tun Fremdwörter…
  • Vermeide Substantive! Zumindest dort, wo sie durch Verben ersetzt werden können. Ein Beispiel: “Zürich, in der römischen Namensgebung Turicum genannt…” Klingt doch ganz normal? Ja, aber warum nicht schreiben: “Zürich, von den Römern Turicum genannt”? Liest sich aktiver, weil jemand handelt. Verben werden in der Grundschule nicht umsonst “Tu-Wörter” genannt – also tu was!
  • Vermeide Füllwörter! “Es ist eigentlich gar nicht so schwer, irgendwie lesbare Texte zu schreiben – aber doch gelingt es den meisten nicht, Schreiben will halt gelernt sein.” Und so liest sich dieser Satz ohne Wortmüll: “Es ist gar nicht so schwer, lesbare Texte zu schreiben – aber es gelingt den meisten nicht, Schreiben will gelernt sein.” Klingt doch gleich viel flüssiger, irgendwie.
  • Vermeide Einschübe! Texte lesen sich – das sollte jedem bekannt sein – besser, wenn man auf Einschübe verzichtet. Das gilt auch für Nebensätze, sie können zwar interessante Zusatzinformationen enthalten, lenken aber so den Leser ab, die man an den Hauptsatz anschließen sollte. Faustregel: Pro Hauptsatz nur ein Nebensatz, Hauptinformation in den Hauptsatz, Zusatz-Infos in den Nebensatz.
  • Verwende Adjektive! Aber klug und sparsam. Adjektive machen Texte lebendiger, sie erzeugen Bilder beim Leser. “Die Kandidatin trug ein Kostüm, eine Brille und Pumps. Während ihrer Rede hielt sie sich am Pult fest und schaute mehrfach auf ihr Manuskript.” Und jetzt mit Adjektiven: “Die Kandidatin trug ein stahlgraues Kostüm, eine randlose Brille und hochhackige Pumps. Während ihrer Rede hielt sie sich nervös am Pult fest und schaute mehrfach fahrig auf ihr Manuskript.” Da kann man sich die Frau doch gleich viel besser vorstellen beim Lesen.
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Gedenkstätten-Touris

Foto: Davidschoe

New York hat eine Touristen-Attraktion mehr. Man muss nicht sonderlich zynisch sein, um vorherzusagen: Das 9/11-Memorial wird ein Anziehungspunkt für Besucher werden. Schon jetzt muss man lange auf einen Zutritts-Pass für das Denkmal warten.

Ein Foto vor einem der gewaltigen Becken, in die unablässig Wasser stürzt, wird künftig zum Foto-Pflichtprogramm dazugehören – wie Freiheitsstatue, Empire State Building und Brooklyn Bridge.

Am Holocaust-Mahnmal in Berlin lässt sich beobachten, dass viele Touris Gedenkstätten offenbar als ein weiteres Hintergrund-Motiv beim Stadtbummel betrachten: Grinsend, gern auch in kurzen Hosen posiert man vor einer der grauen Stelen. Vermutlich gibt es schon Souvenir-Shops, die T-Shirts verkaufen mit dem Aufdruck „I´ve been at the Holocaust Mahnmal – and I survived“. Neulich sah ich ein Foto in einem sozialen Netzwerk: Ein junger Mann lehnt lässig an einer Stele, ein Bein angezogen, den Fuß gegen den Beton gestemmt. Als sei´s eine Laterne auf dem Montmartre.

Wer jemals in dem Stelenfeld von Berlin war, jemals umfangen war von diesem beklemmenden Grau, von diesen Quadern, die immer höher über den eigenen Kopf wachsen, bis man nur noch Beton sieht… Ich möchte persönlich jeden dieser Deppen ohrfeigen, die über das Feingefühl eines Vorschlaghammers verfügen.

Übrigens: Schwedens Kronprinzessin Victoria hat bei ihrem Berlin-Besuch natürlich auch das Mahnmal besucht. Auf den Bildern steht sie in einem ärmellosen Kleid in Schlangenleder-Optik zwischen den Stehlen, lächelnd und in passenden hochhackigen Pumps. Auf „Spiegel Online“ wurde sie hinterher dafür gelobt, immer „absolut stilsicher“ aufgetreten zu sein.

Mal sehen, wann die ersten Fotos mit Grinse-Touris vorm 9/11-Memorial bei Facebook auftauchen.

 

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Mein erstes Mal: Sonde im Knie (mit OP-Video)

Mein Knie, Innenansicht

Ein kleiner Vorspann in memoriam an die von mir sehr gemochte Kolumne “Mein erstes Mal” (okay, es könnte daran liegen, dass ich sie selbst geschrieben habe, allerdings im Wechsel mit Silke Burmester, also ist es kein reines Eigenlob): In besagter Kolumne haben Silke und ich Dinge beschrieben, die wir zum ersten Mal getan haben – Im Kletterwald klettern; Segway fahren; Augenbrauenzupfen; Aktmodell stehen (ja, hab ich wirklich gemacht, man kriegt Rückenschmerzen und ein vermindertes Schamgefühl)… Lange Rede: Da die “Financial Times Deutschland” diese Rubrik aus organisatorischen Gründen eingestellt hat, lasse ich sie eben in den Weiten des Blog-Universums wiederauferstehen, ätsch!

P.S: Für alle Hartgesottenen: Am Ende des Text gibt es ein kleines Video von der OP.

Die meisten Männer-Macho-Sachen finde ich blöd: Mutproben, um die Mädels zu beeindrucken; breitbeinig am Tresen rumstehen; ein Indianer kennt keinen Schmerz. In einem aber bin ich typisch Mann: Mein Körper soll gefälligst funktionieren! In meiner Vorstellung ist er eine Maschine, deren Teile geschmeidig ineinander greifen und möglichst reibungslos vor sich hinarbeiten.

Ein Knacken im Knie aber klingt weder geschmeidig noch reibungslos. Und wir reden hier nicht von einem leisen “Knacks”, sondern von einem deutlichen “Knock”. Ein Besuch beim Orthopäden scheint also angebracht. Der schickt mich nach Betasten des Knies (“Wie ist das, wenn ich hier drücke?” – “Aua!”) in die Kernspin-Röhre, wo mir ein Riss im Innenmeniskus unterstellt wird. Was mir wiederum die erste echte OP meines Lebens beschert, inklusive der ersten echten Vollnarkose.

Ich bin nun sicher kein Masochist, aber: Operiert werden ist gar nicht so schlecht. Es kümmern sich alle so rührend um einen. Zunächst Pfleger Ingo, der mir OP-Hemdchen und Filzstift reicht, damit ich das richtige Knie ankreuze (Es sind schon gesunde Beine amputiert worden); dann der Knie-Papst, dem ich sofort sämtliche Knie und alle anderen Gelenke anvertrauen möchte, weil mich der Herr Doktor in einem so kundigen und beruhigenden Bariton befragt; und schließlich der Anästhesie-Pfleger, der mir Valium spritzt (noch ein erstes Mal) – und obwohl ich Drogen selbstverständlich zutiefst verabscheue und auch allen Kindern unter meinen Lesern sagen möchte: nicht nachmachen, böse, pfui, aus! Das Zeug ist einfach geil. Jetzt weiß ich auch, warum die amerikanischen Hausfrauen in den 60ern immer mit so einem beseelten Lächeln durch ihre Küche schwebten.

Aufwachen nach der OP ist dagegen nicht so nett. Mein Blutdruck ist im Keller (104:63, klingt wie ein Ergebnis bei der Basketball-EM) und mir ist schlecht. Pfleger Ingo reicht mir eine Nierenschale aus Pappe (verdammte Gesundheitsreform, früher waren die Dinger doch aus Edelstahl!), verpasst mir einen Elektrolyt-Tropf und reicht Kreislauftropfen. Was mich letztlich wieder unter die Lebenden bringt, ist ein Schnitzel mit Speckwürfeln und Rösti-Talern. Ob sich meine Arterien beim Essen spontan zusammengezogen haben und mein Blutdruck deshalb nach oben geschnellt ist? Und warum wirkt Krankenhausessen eigentlich immer so, als wolle die Klinik-Küche die Patienten durch gesättigte Fettsäuren und Cholesterin umbringen?

Zum Abschied kriege ich noch eine CD-ROM mit Video-Clips von der Operation, auf denen der Knie-Papst sonor kommentiert, was man gerade sieht. Mein Knie wirkt dank der Kochsalzlösung wie eine Unterwasserwelt; und manche Gelenktaschen erinnern mich an Körperteile, die bei Männern eigentlich gar nicht vorhanden sind.

Achso, der Innenmeniskus war gar nicht gerissen, dafür ein Stück vom Knorpel abgeplatzt. Unnötig zu erwähnen, dass der Orthopäde sich beim Betrachten der Kernspin-Aufnahmen absolut sicher war, einen Riss zu erkennen. Schon toll, diese modernen medizinischen Bildgebungsverfahren heutzutage…

Und hier noch das Video zum Text:

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